Zeiten und Menschen, Geschichte Oberstufe Bd. 1

Zeiten und Menschen, Geschichte Oberstufe Bd. 1,  hrsg. von Hans-Jürgen Lendzian, Paderborn: Schöningh 2004, 527 S.,  ISBN 3-14-024962-4

Nach der Neuausgabe von Zeiten und Menschen für die Sekundarstufe I (vgl. die Rezension von Svenja Büsching) liegt nun auch der erste Band der Neuausgabe des Oberstufen-Geschichtsbuches von Schöningh vor. Diese Ausgabe von Zeiten und Menschen für die Oberstufe wird - anders als seine drei- bzw. vierbändigen Vorgänger - zwei Bände umfassen. Der Inhalt des ersten Bandes umfasst die Zeit vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis 1945 und darf daher als Nachfolger des zweiten Bandes der Ausgabe G (Entfaltung und Krise der modernen Welt. Vom Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen bis zum Zweiten Weltkrieg) und des dritten Bandes der Ausgabe K (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft von 1776 bis 1918) gelten, ohne mit diesen Bänden thematisch deckungsgleich zu sein. Die in den genannten älteren Ausgaben in den Bänden 1 (Ausgabe G) bzw. 1 und 2 (Ausgabe K) behandelten früheren historischen Epochen werden in der Neuausgabe offenkundig nicht mehr berücksichtigt. Die beiden Bände sind als Arbeitsbücher für Schülerinnen und Schüler konzipiert. Lehrerbände oder Arbeitshefte wurden bislang nicht angekündigt.
Der Zuschnitt auf einen bestimmten Lehrplan wird nicht ausgewiesen. Allerdings finden sich die im ersten Band behandelten Themen in den Oberstufen-Curricula der meisten Bundesländer, wenn auch oft in anderer Anordnung oder in verschiedenen übergreifenden Themenkomplexen. So wird im Lehrplan von Nordrhein-Westfalen für die 11. Jahrgangsstufe das Thema "1900: Jahrhundertwende = Zeitenwende? Der Durchbruch der Moderne 1880-1930" aufgeführt. Das vorliegende Buch bietet dazu Informationen und Materialien, greift jedoch chronologisch in beide Richtungen weiter aus.
Der Band folgt einem Modernisierungskonzept, das in einem einleitenden, kurzen Kapitel vorgestellt wird. Modernisierung wird in einem Informationstext und in einem als Material gebotenen Beitrag von Ulrich Thamer als ein um 1800 einsetzender "ambivalenter Prozess" von Wandel, Fortschritt und Verlust beschrieben, in dem wegweisende Grundlagen für die Gegenwart gelegt wurden. Thamer verweist dabei auf die Vorzüge, die den Begriff "Moderne" gegenüber dem Begriff "Modernisierung" auszeichnen. Die Verwurzelung der Gegenwart in der Moderne mit ihren Licht- und Schattenseiten - dies ist der Leitfaden, der sich durch das Buch zieht und von Lehrern und Schülern immer wieder aufgegriffen werden kann.
Dieser Anspruch spiegelt sich in den Themen des Bandes:

  • "Politische Revolutionen der Moderne und die Herausbildung der demokratischen Gesellschaft"
  • "Industrialisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft"
  • "1848/49: Revolution in Deutschland - Aufbruch zur Freiheit?"
  • "Das Deutsche Kaiserreich - Nationalstaat zwischen Tradition und Moderne"
  • "Die Weimarer Republik - die erste deutsche Demokratie"
  • "Die Zerstörung der Demokratie durch den Nationalsozialismus"

Die Auswahl der Themen erscheint schlüssig, wenn man die starke Konzentration auf die deutsche Geschichte als ein Zugeständnis an die Schwerpunktsetzungen vieler Lehrpläne akzeptiert. Während das erste Kapitel die (US-)amerikanische Geschichte thematisiert und das zweite Kapitel Ausblicke nach England und in die USA bietet, bleibt der Blick in den folgenden Kapiteln auf Deutschland gerichtet, wobei an den notwendigen Stellen die europäischen und internationalen Zusammenhänge knapp erläutert werden (z.B. Faschismus, Russische Revolution). Die Auswahl der Inhalte kann insgesamt überzeugen, zumal immer wieder weiterführende Fragen gestellt werden. So wird im Kapitel "Politische Revolutionen der Moderne" die Französische Revolution als historischer Vergleichsfall herangezogen. Die zu diesem Thema vorgenommene Schwerpunktsetzung wurde offenkundig aus gegenwartspolitischen Erwägungen getroffen, denn als Diskussionsthema wird den Schülerinnen und Schülern die amerikanische Außenpolitik nach dem 11. September 2001 vorgeschlagen.
Ein Kapitel am Ende des Bandes unterbreitet Projektvorschläge zum Themenbereich "Individuum und Gesellschaft im Wandel". Es werden Informationen und Materialien zu den Themen "Menschenrechte", "Funktionswandel der Familie in der europäischen Neuzeit" und "Migration" geliefert.

Der Aufbau der Kapitel zeigt eine klare Struktur: Eine gelb unterlegte Doppelseite führt als Auftakt mit Bildern und einführendem Text zum Thema hin. Es folgt auf zwei Seiten der Überblick zu den gebotenen Inhalten: Inhaltsverzeichnis zum folgenden Informationsteil, Vorstellung der vertieft behandelten Themen, Ankündigung der vorgestellten Methode(n), Ankündigung eines Diskussionsthemas.
Die Länge des folgenden Lehrbuchtextes mit grundlegenden Informationen variiert (z.B.: 18 Seiten zu 1848/49, 22 Seiten zum Kaiserreich, 30 Seiten zur Weimarer Republik), doch erfassen die Texte die für das Basiswissen wesentlichen Sachverhalte. Zu starke Verkürzungen wurden vermieden. Die Sprache der Texte ist für die Zielgruppe angemessen.
Es folgen drei bis sieben Themen, die Anregungen, Anleitung und Materialien zur vertieften Auseinandersetzung bieten. Jedes Thema wird einleitend vorgestellt und durch Leitfragen inhaltlich strukturiert. Es folgen Arbeitsaufträge und Text- und Bildquellen, Auszüge aus der Fachliteratur oder aus politischen Beiträgen der Gegenwart.
Methoden finden sich auf blau unterlegten Seiten bei einem Thema oder im Zusammenhang mit dem Forum (s.u.). Positiv hervorzuheben ist, dass dabei neben den "klassischen" historischen "Quellen" auch einige geschichtskulturelle Medien des Fachs thematisiert werden: Es werden Hinweise und Anleitungen zur Analyse und Interpretation von schriftlichen Quellen, politischen Reden, Spielfilmen, Statistiken, Gemälden, Karikaturen, Wahlplakaten sowie von Sekundärliteratur geboten. Neben dem Zeitzeugeninterview, das zu den historischen Methoden zu zählen ist, werden in dem Kapitel zur Projektarbeit allgemeine Lernmethoden vermittelt: Projektarbeit, Internetrecherche, Bücher/Bibliotheken.
In den Forum genannten Abschnitten der Kapitel werden wissenschaftliche Kontroversen zu zentralen historischen Fragen oder gegenwartsbezogene Diskussionsbeiträge geboten. Über einen Einführungstext, Leitfragen, Arbeitsaufträge und Materialien wird den Schülerinnen und Schülern die weitgehend selbstständige Auseinandersetzung mit verschiedenen Standpunkten zu historischen und gegenwartspolitischen Fragen ermöglicht.
Die Kapitel schließen jeweils mit einem Zusammenfassen, Üben und Darstellen überschriebenen Abschnitt. Hier findet sich eine Seite mit Arbeitsaufträgen zum Kapitel (mit Hinweisen auf die relevanten Seiten), eine Aufzählung von "Kernbegriffen" sowie ein Material (etwas gewöhnungsbedürftig "Schlüsselquelle", "Schlüsselmaterial" oder "Schlüsseltext" genannt), das unter Anwendung des Erarbeiteten zu analysieren, auszuwerten und in historische Kontexte zu stellen ist. Entsprechende Aufgabenstellungen werden gegeben.
Die Abschnitte zu den drei Projekten bieten gleichfalls Informationstexte sowie Materialien. Schon der reduzierte Umfang, in dem die drei Themen präsentiert werden, vor allem aber die weiterführenden Arbeitsanregungen machen deutlich, dass das im Lehrbuch Gebotene allenfalls der Ausgangspunkt für historische Projekte in der Oberstufe sein kann.

Die Quellenauswahl und Quellenwiedergabe ist überzeugend. Die Quellen decken ein breites Spektrum von Texten und Bildern ab. Die Texte sind in ihrem Umfang dem Oberstufenniveau angemessen; das Verständnis beeinträchtigende Kürzungen wurden vermieden. Die Kommentare zu den Quellen wurden auf das Notwendigste reduziert (wobei der Kommentar zu M 6 auf S. 239 nicht zur Quelle passt).
Der Band weist eine klare Orientierung auf selbstständige Schülerarbeit auf. Besonders deutlich zeigen dies die zahlreichen Aufgaben, die gleichsam die Anleitung zur Erarbeitung der Themen bieten. Die Aufgabenstellungen sind überwiegend "konventionell", d.h. sie beziehen sich auf die Erläuterung von Sachverhalten oder Begriffen, auf das Zusammenfassen oder Wiedergeben von Gelesenem. Darüber hinaus werden die Schülerinnen und Schüler häufig aufgefordert, die im jeweiligen Kapitel angeschnittenen Probleme zu diskutieren. Vereinzelt gibt es Anregungen zu Rollenspielen oder auch zur Aufnahme von Kontakten im außerschulischen Bereich. Es wird insgesamt ein breites Spektrum von Aufgaben geboten, der Bewältigung sowohl methodisch-analytische Kompetenzen als auch die Deutungs- sowie die Urteilskompetenz erfordern und bilden. Gerade im Hinblick auf Klausuren und Abituraufgaben vermisst man jedoch klar strukturierte Aufgaben zur schriftlichen Narration von Geschichte (vgl. den Entwurf der EPA im Fach Geschichte).
Am Ende des Bandes werden in einem "Glossar" zentrale Begriffe definiert sowie im "Register" die Namen und Sachen (sowie mit solchen fest verbundene Orte) aufgeführt.
Der Band hat eine ansprechende Gestaltung und wurde sorgfältig redigiert.

Abschließend ist festzustellen, dass dem Verlag mit der neuen Ausgabe des Oberstufenbandes von Zeiten und Menschen ein Lehrbuch gelungen ist, das eine umfangreiche, gut strukturierte und inhaltlich überzeugende Basis für die weitgehend selbstständige Schülerarbeit legt. Insbesondere diese Schülerorientierung, aber auch der didaktisch sinnvoll angewandte Gegenwarts- und Problembezug zeichnen den Band aus. Fraglich ist allerdings, ob er gemeinsam mit seinem Nachfolgeband die in den Lehrplänen vorgeschriebenen oder empfohlenen Inhalte vollständig abdecken kann.

Thomas Willich, Berlin
November 2005

 

Zeiten und Menschen. Geschichte. Oberstufe, Bd. 2 - hrsg. von Hans- Jürgen Lendzian - Paderborn: Schöningh 2005 - 544 S. - ISBN 3-14-024961-6

Der erste Band der zweibändigen Neuausgabe des Oberstufen-Geschichtsbuches von Zeiten und Menschen wurde an dieser Stelle bereits vorgestellt. Inzwischen liegt der zweite Band des Schülerbuchs vor, der chronologisch an den ersten Band anschließt, indem er sich auf die Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart bezieht. Im Band selbst wird nicht explizit auf den Lehrplan eines bestimmten Bundeslandes verwiesen. Allerdings führt der Verlag auf seiner Homepage die Eignung für Baden-Württemberg, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein an. Es ist darauf hinzuweisen, dass nach Angaben des Verlags zudem eine Ausgabe für Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen existiert (ISBN 3-14-024971-3), die andere Inhalte aufweist und nicht Gegenstand dieser Rezension ist.
Innerhalb der Zeiten und Menschen-Reihe waren Vorgänger des vorliegenden Bandes: der dritte Band der Ausgabe G (Grundlagen und Entwicklungen der Gegenwart. Der Aufstieg der Supermächte und die Welt nach 1945) und der Band 4/II der Ausgabe K (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft von 1945 bis zur Gegenwart).

Wie der erste Band folgt auch der zweite einem Modernisierungskonzept. Die Texte des Buches beziehen sich immer wieder auf die Frage, wie menschliches (Zusammen-)Leben in der modernen Welt gestaltet werden kann. Dabei werden die Schüler wiederholt zur Reflexion der "Fakten" und zur Diskussion von Alternativen aufgefordert. Als ein gewisses Defizit erscheint, dass der Begriff der "Moderne" weder auf geschichtstheoretischer Grundlage noch vor dem Hintergrund der aktuellen Weltprobleme näher thematisiert resp. problematisiert wird. Die Einführungsseiten des ersten Bandes können diese Lücke nicht schließen. An Themen aufgenommen wurde, was aus nationalstaatlicher und europäischer Perspektive sowie mit Rücksicht auf die politischen Weltprobleme der unmittelbaren Gegenwart unverzichtbar erscheint:

  • "Die Welt im Schatten des Ost-West-Konfliktes",
  • "Zusammenbruch und Neubeginn: Deutschland 1945-1949",
  • "Ein Volk - zwei Geschichten: Bundesrepublik Deutschland und DDR",
  • "Die deutsche Einheit: Aus der Vergangenheit in die Zukunft",
  • "Europa - auf dem Weg zur Einheit in Vielfalt?",
  • "Krisen Balkan - zwischen Integration und Konflikt",
  • "Die islamische Welt auf der Suche nach einem Platz in der Moderne",
  • "Asien - China und Japan auf dem Weg in die Moderne".

Insgesamt bietet der Band mit diesen Kapiteln ein ausgewogenes Panorama der Welt nach 1945. Die mäßige Häufung von drei Themen zur deutschen Geschichte ist mit Rücksicht auf die schulischen Lehrpläne nachvollziehbar. Sehr zu begrüßen ist aber vor allem, dass die Geschichte Deutschlands durch die fünf weiteren Kapitel in den Kontext der europäischen und weltpolitischen Entwicklung gestellt wird. Der Band liefert damit Grundlagen für einen perspektivreichen, gegenwartsbezogenen Unterricht. Hinsichtlich der Zugriffsweisen auf die Vergangenheit überwiegt die Politikgeschichte; andere Dimensionen (Geschlecht, Religion, Wirtschaft u.a.) kommen dann zur Geltung, wenn sie im Zusammenhang mit dem politischen Leitthema stehen.
Der Aufbau der Kapitel entspricht dem des ersten Bandes: Auf eine Auftakt-Doppelseite folgen der Überblick zum Inhalt des Kapitels, ein Darstellungsteil, Themen-Seiten zur Vertiefung ausgewählter historischer Probleme, in drei Kapiteln verbunden mit Methoden-Seiten, schließlich das Forum zu wissenschaftlichen und politischen Kontroversen und die abschließenden Arbeitsanregungen Zusammenfassen, Üben und Darstellen mit den Schlüsselquellen. Insgesamt kann diese Aufteilung durch ihre Übersichtlichkeit überzeugen. Positiv hervorzuheben ist weiter die Informationsdichte der Darstellungsteile, die nicht auf Kosten der sprachlichen Klarheit geht. Zudem haben die Autoren durchgehend die Kontroversität und Multiperspektivität von Geschichte berücksichtigt.
Das erste Kapitel "Die Welt im Schatten des Ost-West-Konfliktes" vermittelt grundlegendes Wissen zur Weltpolitik im Zeitalter der beiden Supermächte. Die zum Verständnis notwendigen Kenntnisse zum Aufstieg der USA einerseits und der UdSSR andererseits werden im Darstellungstext geliefert. Als historisches Fallbeispiel für die Konfrontation zur Zeit des Kalten Kriegs wurde die Kuba-Krise gewählt.
Misst man die Kapitel zur deutsch-deutschen Geschichte von 1945/49-1989/90 am Begriffspaar "Abgrenzung und asymmetrische Verflechtung" (Christoph Kleßmann), so wird deutlich, dass die Autoren eher die Unterschiede, die Abgrenzung zwischen den beiden deutschen Staaten betonen. Dieser Eindruck entsteht insbesondere durch die eher chronologisch-additive Behandlung der Geschichte der beiden Staaten. Vergleichend angelegte Themen (insbesondere: Flüchtlinge, Entnazifizierung, Konsumwelten, Frauen) und Angebote zur kontroversen Diskussion in den Foren ("Wer trägt die Schuld an der deutschen Teilung?", "Die Wende 1989 - Zusammenbruch oder Revolution?", "Ist zusammengewachsen, was zusammengehört?") geben jedoch Anregungen, die zu Fragen der deutsch-deutschen Verflechtung führen sollten.
In den Kapiteln, die unmittelbaren Bezug auf Gegenwartsfragen nehmen (Europa, Balkan, Islam, Asien), werden diese in ihren langfristigen historischen Dimensionen erfasst. So wird z.B. der Leser des Kapitels zum Islam über die Anfänge dieser Weltreligion zur Zeit Muhammeds informiert, um in einem luziden Überblick bis zur islamischen Welt der Gegenwart geführt zu werden, wobei das Islamismus-Problem im Mittelpunkt steht. Dabei ist - wie auch in den anderen Kapiteln - die Auswahl der Texte, Bilder, Karten etc. stets sachbezogen und sinnvoll.
Auf den explizit Methoden gewidmeten Seiten werden im vorliegenden Band die "Ideologiekritische Quelleninterpretation", die "Analyse historischer Konflikte", das "Historische Streitgespräch" und "Der historische Vergleich" erläutert. Zusammen mit den im ersten Band vorgestellten Methoden liegt damit ein hilfreicher Überblick zu wesentlichen Verfahren historischen Arbeitens vor. Als Desiderata erscheinen die kriteriengeleitete Auswertung von Karten, der Umgang mit literarischer Verarbeitung von Vergangenheit und die Analyse von Fotografien. Letztere wird an anderer Stelle ("Schlüsselquelle") durch den Vergleich zweier Aufnahmen im Ansatz geliefert (Band 2, S. 415). Im zweiten Band werden wiederholt Materialien als "Schlüsselquellen" geliefert, deren sachgerechte Auswertung im ersten Band erklärt wurde (z.B. Reden, Plakate, Karikaturen). Nützlich wären hier regelmäßige Querverweise auf die entsprechenden "Methoden"-Abschnitte gewesen. Zudem hätte es sich gerade bei den Themen dieses Bandes angeboten, erneut (mindestens) eine Zeitzeugen-Befragung als Methode anzubieten (und auf Band 1, S. 502 zu verweisen).
Für den Umgang mit geschichtskulturellen Darstellungsformen von Geschichte bietet der Band Ansatzpunkte, insbesondere jeweils im "Forum" (zu wissenschaftlichen und politischen Kontroversen). Explizit thematisiert wird eine Form von Geschichtskultur, wenn im "Balkan"-Kapitel "Erinnerungskultur versus Vergangenheitspolitik" am Beispiel der "Schlacht auf dem Amselfeld" thematisiert wird. Weiterführende Angaben bzw. Hinweise (u.a. auf Filme und Denkmäler) hätten sich jedoch gerade in diesem Band auch an anderer Stelle angeboten.
Auf den Seiten 96/97 bietet der Band Erklärungen zu Operatoren. Ein Vergleich mit der entsprechenden Übersicht in den "Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Geschichte" (EPA) ergibt dem Sinn nach weitgehende Übereinstimmungen. Warum aber die zentralen, in der EPA genannten (und in den beiden Bänden wiederholt gebrauchten) Arbeitsaufträge "Interpretation" und "Analyse" fehlen, wird nicht klar.
Den Band beschließen ein Glossar zu zentralen Fachbegriffen und ein Register der Personennamen und ausgewählter Sachwörter. Insgesamt bestätigt sich sowohl hinsichtlich des Inhalts als auch der Form der sehr positive Eindruck, den bereits der erste Band hinterließ.

Thomas Willich, Berlin
Juli 2006